Als der Computer denken lernte
4.5.2004:
Wer regelmäßig mit Suchmaschinen nach Inhalten sucht,
muss manchmal ziemlich spitzfindig sein, um das gewünschte
Ergebnis zu erhalten. Das soll anders werden: ein internationales
Forscherteam, dem auch Wissenschafter der TU Wien angehören,
will eine Methodik und eine Regelsprache entwickeln, die das WWW
intelligent machen soll.
Ursprünglich Ende der 80er Jahre am CERN nur für interne
Zwecke entwickelt, um mehreren Leuten gleichzeitig komplexe Inhalte
vernetzt und verlinkt zugänglich zu machen, stößt
das World Wide Web (in naher Zukunft) an seine Grenzen. Überspitzt
könnte man sagen, dass das Web seinen weltweiten Siegeszug
eigentlich als "Provisorium" antrat. Derzeit sind die
technischen Möglichkeiten schon ziemlich ausgereizt.
Intelligenter Mensch, dumme Maschine
An Informationen mangelt es im Web zugegebenermaßen nicht.
Im Gegenteil. Aus der Fülle an Information gerade die auszuwählen,
die persönlich benötigt werden, erfordert zumeist ein
schrittweises Vorgehen und Einengen an Auswahlmöglichkeiten.
Dank unseres Gehirns ist es uns relativ leicht möglich, diese
Spezifizierungen vorzunehmen, erforderliche Interpretationen durchzuführen
und durch das Erkennen von Zusammenhängen die erforderlichen
Rückschlüsse zu ziehen. Nicht so der Computer.
Sucht man beispielsweise in der Absolventenstatistik der TU Wien
nach AbsolventInnen für das Studienjahr 2004/05 und erhält
kein Ergebnis, ist für einen Computer der logische Schluss
zulässig, dass es an dieser Uni keine Studierenden gibt.
In der Realität ist diese Schlussfolgerung logischerweise
unsinnig. Wie macht man dem Computer aber die Interpretation verständlich,
dass es für den angefragten Zeitraum noch keine AbsolventInnen
geben kann und deshalb keine relevanten Daten vorliegen?
Semantic Web - Lösung der Zukunft
Geht es nach den Vorstellungen der WissenschafterInnen, soll
aber genau dieses Ziel erreicht werden: nämlich die Möglichkeit,
ohne menschlichen Eingriff Ergebnisse zu erhalten, die nicht nur
richtig, sondern auch auf die individuellen Bedürfnisse jeder
einzelnen Userin und jedes einzelnen Users zugeschnitten sind
und ohne weitere Bearbeitungsschritte verwendet werden können.
Dafür müssen Computerprogramme entwickelt werden, die
gezielt nach Informationen suchen. Das klingt jedoch einfacher
als es in der Realität ist.
Ein weiteres Beispiel zur Demonstration: Manch eine/r träumt
davon, billige Flugreisen zur gewünschten Destination und
zur gewünschten Zeit mit frühestmöglichem Abflug
und spätestmöglichem Rückflug angeboten zu bekommen
- ohne lang nachfragen und recherchieren zu müssen. "In
Zukunft kein Problem. Sie müssen dem Computer nur das eigene
Persönlichkeitsprofil bekannt geben, der dann aufgrund der
Angaben die geeigneten Treffer ausspuckt", sagt Thomas Eiter
vom Institut für Informationssysteme an der TU Wien zuversichtlich.
Er räumt jedoch ein, dass es sich bei all diesen Überlegungen
um äußerst komplexe Probleme handelt, bei denen die
Lösung wiederum neue Probleme erzeugt. Aufgrund der Komplexität
der zu bewältigen Aufgabenstellungen - die beiden Beispiele
sind nur ein Auszug aus einer unendlichen Vielfalt an Anwendungen
- sind die Lösungen langwierig und äußerst schwierig.
Thomas Eiter: "Derzeit einen realistischen Zeithorizont für
die Verwirklichung eines intelligenten Webs zu nennen, das diesen
Namen verdient, ist unseriös. Die Vision und weite Überzeugung
ist aber, dass die Realisierung eines Tages möglich sein
wird."
Intelligentes Web durch REWERSE
Im EU-Network of Excellence "REasoning on the WEb with Rules
and SEmantics" (REWERSE) arbeiten 27 Forscher-Teams aus 14
europäischen Ländern daran, Europa auf dem Gebiet der
logischen Sprachen für Websysteme und -Anwendungen, insbesondere
dem Semantic Web, an die Weltspitze zu bringen.
Die Forschungsaktivitäten bei REWERSE wurden in 8 Working
Groups gebündelt. Diese bearbeiten einerseits grundlegende
Fragestellungen wie Rule Markup Sprachen, Policy Spezifikationen,
oder intelligente Abfrageauswertung, und andererseits Anwendungen
wie Web-basierte Entscheidungshilfe für Ereignis-, Zeit und
Geographical Daten, ein Semantic Web für Bioinformatik oder
Personalisierte Informationssysteme.
Link(s):
- www.rewerse.net
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