IT-Sicherheit: Schotten dicht
11.2.2004:
IT-Sicherheit: Schotten dicht
Mydoom, SoBig, I love you - immer wieder verursachen Computerviren
und -würmer Schäden in Milliardenhöhe. Ein großes
Sicherheitsrisiko sind mobile Geräte und Datenträger.
Sie eröffnen Wirtschaftsspionen, Hackern, Würmern und
Viren neue Einfallstore. Wie man sich wirkungsvoll schützen
kann, zeigen Fraunhofer-Forscher auf der CeBIT in Halle 11.
Ob am Flughafen, im Café oder Bahnhof - über lokale
Funknetze (W-LAN) kann man jederzeit im Internet surfen oder auf
IT-Systeme des Unternehmens zugreifen. Das macht das Arbeiten
unterwegs einfach und bequem. Allerdings birgt die zunehmende
Mobilität Sicherheitsrisiken. So ist zum Beispiel bei Funkverbindungen
das »Mithören« kinderleicht. Eine Antenne, die
man als W-LAN-Karte in den Laptop oder PDA steckt, reicht aus,
und schon können Hacker sich in den Datenfluss einklinken.
»Gerade in Anwendungsbereichen wie den Rettungsdiensten
oder dem Arbeiten im mobilen Büro steht ein vertrauenswürdiger
und sicherer Informationsaustausch im Mittelpunkt«, erläutert
Mario Hoffmann vom Fraunhofer-Institut für Sichere Telekooperation
SIT. SIT-Forscher arbeiten daher an komplexen
W-LAN-Schutzmechanismen, die eine zweifelsfreie Authentisierung
der Kommunikationspartner, eine vertrauliche Kommunikation sowie
den Schutz der Privatsphäre gewährleisten. Auf der CeBIT
stellen die Wissenschaftler vor, wie man drahtlose Funk- und Mobilfunknetze
mit größtmöglicher Sicherheit nutzen kann.
in weiteres Einfallstor für Datendiebe und Hacker sind mobile
Datenträger. »Durch Memory-Sticks und Personal Digital
Assistants können Firmengeheimnisse leicht in unerwünschte
Hände gelangen«, warnt Stephen Wolthusen vom Fraunhofer-Institut
für Graphische Datenverarbeitung IGD. Es reicht, dass ein
Mitarbeiter nur für wenige Minuten seinen Arbeitsplatz verlässt
und schon können Unbefugte einfach mehrere 100 MB Daten auf
einen USB-Stick kopieren oder ihren eigenen PDA mit dem Computer
synchronisieren und so vertrauliche Informationen erhalten. Um
das zu verhindern, haben IGD-Forscher COSEDA entwickelt. Das System
verschlüsselt automatisch alle Daten, die auf einen Memory-Stick
oder PDA heruntergeladen werden. Wollen unberechtigte Dritte auf
die gespeicherten Daten zugreifen, erhalten sie einen unleserlichen
Datensalat. Nur autorisierte Personen können die Informationen
ohne Probleme lesen. COSEDA verhindert nicht nur den Diebstahl
von Daten, es hilft auch die Sicherheitspolitik eines Unternehmens
automatisch auf jedem Arbeitsplatz durchzusetzen.
Kaum ein Unternehmen kann heute darauf verzichten, im Internet
präsent zu sein. Das Netz ermöglicht es, sich weltweit
zu präsentieren, mit Zulieferern und Partnern in Verbindung
zu treten, Geschäfte abzuwickeln oder sogar verteilt zu arbeiten.
Das Problem: Die digitalen Datennetze sind sehr anfällig
für Hacker, Spione, Saboteure, Viren, Würmer und Trojanische
Pferde. Allein im vergangenen Jahr haben Computerviren nach einer
Schätzung des IT-Sicherheitsunternehmens Trend Micro Schäden
von 55 Milliarden Dollar in Unternehmen angerichtet. »Daher
sind beim Anschluss eines Firmennetzes an das Internet sowohl
funktionale wie auch sicherheitsrelevante Aspekte zu berücksichtigen
- insbesondere, wenn das Netzwerk über mehrere Standorte
verteilt ist«, fordert Johannes Grathwohl vom Network Operations
Center (NOC) der Fraunhofer-Gesellschaft, das beim Fraunhofer-Institut
für Informations- und Datenverarbeitung IITB angesiedelt
ist. Einen umfassenden Schutz bietet der Kommunikationsknoten.
Er sorgt für sichere Kommunikation zwischen den Standorten.
Das System besteht aus einem Router, der die Internetanbindung
als Schnittstelle nach außen realisiert, einer Hardware-Firewall
und zwei Kommunikationsservern. »Die Firewall ist eine Art
Stadtmauer. Man legt fest, welche Waren bzw. welche Informationen
jeweils durch die Stadttore ein- und ausgeschleust werden dürfen.
Bei der Firewall-Architektur des Kommunikationsknotens werden
vier Sicherheitsbereiche unterschieden. Je weiter man in das Innere
der Firma vordringt, desto undurchlässiger wird der Schutzwall«,
beschreibt Grathwohl das Konzept. Das Sicherheitskonzept wird
bereits in der Fraunhofer-Gesellschaft eingesetzt. Es realisiert
die Anbindung ans Internet sowie die sichere Kommunikation zwischen
der Zentrale und den Instituten.
Mittlerweile schützt fast jedes Unternehmen seine Netze
mit Firewalls und Virenscannern. Doch wer kontrolliert, ob auch
alle vorhandenen Sicherheitssysteme eingeschaltet sind? Um die
Datensicherheit im Unternehmen vor menschlichem Versagen zu schützen,
entwickelten Forscher am SIT den elektronischen Sicherheitsinspektor
eSI. Das Programm überprüft automatisch, ob alle vorgesehenen
Vorkehrungen aktiv sind. »Welche Schutzmaßnahmen überprüft
werden, legt der Administrator entsprechend der jeweiligen Sicherheitspolicy
des Unternehmens in Checklisten fest. Einmal eingestellt, kennt
eSI die Organisation und den Aufbau des Computer-Netzwerks und
überwacht die Schutzmaßnahmen kontinuierlich«,
erläutert Heinz Sarbinowski das System.
Auch für CISCO-basierte Netzwerke gibt es bereits Werkzeuge
für automatische Sicherheitsanalysen. Forscher vom Fraunhofer-Institut
für Experimentelles Software Engineering IESE haben CROCODILE
entwickelt. Das System kontrolliert die Routereinstellungen und
markiert fragwürdige Konfigurationen. »Die immer komplexeren
Netzkonfigura-tionen können Experten nicht in Handarbeit
warten. Zu schnell werden Schwachpunkte übersehen. Deswegen
braucht man automatische Systeme wie CROCODILE«, betont
Dr. Reinhard Schwarz vom IESE. Großunternehmen setzen das
Verfahren zur Wartung von IP-Netzen ein.
Link:
http://www.sit.fraunhofer.de
^aufi^